DR. ERNST HERRMANN, Berlin, Deutsche Antarktische Expedition 1938/39

Am 12. April 1939 kehrte die letzte deutsche Südpolarexpedition glücklich nach Hamburg zurück. Ihr geistiger Vater und ihr Betreuer war Staatsrat Wohlthat, in dessen Hände die Organisation des Unternehmens von Reichsmarschall Göring als Beauftragten für den Vierjahresplan gelegt worden war.

 

Es galt einen Stützpunkt beziehungsweise das politische Anrecht auf den für Deutschland so wichtigen Walfang zu schaffen. Mit der Leitung war Oberregierungsrat Kapitän Alfred Ritscher beauftragt.

Expeditionsschiff war die „Schwabenland“, die früher als Flugzeugstützpunkt der Deutschen Lufthansa gedient hatte. Die modernsten Forschungsmittel standen zur Verfügung: zwei Flugzeuge vom Typ Dornier-Wal, Katapult zum abschießen der Flugzeuge — übrigens, daß erste Mal das ein Katapultschiff für Expeditionszwecke eingesetzt wurde —, Laboratorien für ozeanographische, biologische, meteorologische, geographische und geophysikalische Untersuchungen.

 

Die Reise ging am 17. Dezember 1938 von Hamburg aus ohne Aufenthalt bis zum Rand der Antarktis. Auf dem Äquator wurden selbstverständlich alle Neulinge unter viel Spaß vorschriftsmäßig „getauft". Im Atlantik begegneten wir den Inseln Ascension, Tristan da Cunha und Gough. Alle drei sind wüste Vulkaninseln, nur Ascension ist bewohnt. Nach einer Kursäänderung hielten wir auf die Insel Bouvet zu. Auch diese ist ein ehemaliger Vulkan, auf dem jetzt eine 200 bis 300 Meter dicke Eisschicht liegt. Vor sechzig Jahren hat er aber noch einen vulkanischen Ausbruch gehabt.

 

Da erscheint das erste Eis. Riesige Tafeln sind es. Sie stammen vom antarktischen Festland und brechen von den ungeheuren Gletschern ab, die sich infolge des Drucks der Inlandeismasse kilometerweit ins Meer vorschieben. Der ganze Südpolkontinent — der sechste Erdteil und eineinhalbmal so groß wie Europa — ist mit riesigen Eismassen bedeckt, die durch neue Schneefälle immer stärker anwachsen. Das Eis rutscht und bewegt sich von den höchsten Bergen nach außen bis ins Meer. Strömungen und der Auftrieb schwimmenden Eises brechen Stücke ab, die nun als selbständige Eistafeln ins Freie schwimmen. Einige von ihnen sind etwa 3 Kilometer lang und ragen 30 bis 40 Meter aus dem Wasser heraus. Da nur ein Achtel ihres Rauminhalts über Wasser zu sehen ist, stecken noch ungefähr 250 bis 300 Meter davon unter Wasser.

 

die Schirmacher Seen, eisfrei mitten in der Antarktis...

 

Es wird merklich kälter, gegen 0 Grad. Das treibende Eis (Treibeis) wird dichter und stärker. Ein Gewirr von kleinen und großen Eisschollen treibt an uns vorbei. Es wird noch kälter, 3 bis 4 Grad unter Null, auch das Meer ist jetzt gefroren.

Und dann kommen wir mit dem Schiff nicht mehr weiter. Auf 69,5 Grad südlicher Breite fängt hier das Festland des Südpols an. Vor uns steht eine ungeheure Eisfront, 30 bis 40 Meter hoch und unübersehbar nach rechts und links.

Die Flugzeuge werden klar gemacht — zwei 10-Tonnen-Dornier-Wale. Die erste Maschine steht schon auf dem Katapult. Das Flugzeug wird mit Preßluft buchstäblich abgeschossen. Das gibt einen gewaltigen Ruck. Beim Abheben vom Schiff hat die Maschine eine Geschwindigkeit von 150 Kilometer in der Stunde. Schön sieht es aus, wenn das Flugzeug die 30 Meter lange Katapultbahn entlangsaust, vom Heck abhebt, wunderbar gleichmäßig weiterschwebt, immer kleiner wird und langsam in dem strahlend blauen Himmel über dem Südpolkontinent verschwindet. Das erste deutsche Flugzeug über der Antarktis!

Und wir, die wir jetzt einen solchen Flug mitmachen, sehen folgendes Bild :

Von der steil ins Meer abfallenden Eiskante aus steigt eine ungeheure Eisfläche langsam südwärts an. Erst nach 100 Kilometer schauen die ersten schwarzen Felszacken aus dem Eis heraus. Nach 200 Kilometer treten zusammenhängende Berggruppen und hohe Kettengebirge auf. Wie in den Hochalpen sieht es jetzt aus. Die Berge sind über 4000 Meter hoch, bilden steile, windpolierte Felswände, wilde Zacken und Schroffen, dazwischen breiten sich riesige Gletscher aus. Die Gebirgsketten sind rund 50 bis 60 Kilometer lang.

Barbarisch kalt ist es über den Bergen. Wir sind im Hochsommer, die Sonne scheint, aber trotzdem messen wir 35 Grad Kälte.

 

Beim Weiterflug liegt unter uns zunächst wieder eine mit Eis bedeckte Hochfläche, dann kommt quer zur Flugrichtung eine mehrere hundert Meter hohe Gebirgsstufe, hinter der sich südwärts die gewaltigste Eishochfläche ausdehnt, die überhaupt auf dieser Erde möglich ist. Wahrscheinlich liegt auf ihr auch der Südpol selbst. Wir fliegen noch rund 100 Kilometer in Richtung Südpol, aber dieses gewaltige Inlandeis dehnt sich nach Süden und nach den beiden Seiten völlig unübersehbar aus. Nicht die kleinste schwarze Felszacke unterbricht dieses unermeßliche Eis. Es steigt nach Süden zu auch noch immer an, obgleich es hier unter uns schon 4300 Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Unser Dornier-Wal hat zu schwere Last — Benzin, Notproviant für vier Wochen für die ganze Mannschaft, Schlitten, Pelze, Radio und so weiter —, wir schweben kaum noch 100 Meter über dem Boden. Die Maschine läßt sich nicht höher ziehen, und wir riskieren beim Weiterflug den Aufschlag auf den Boden. So müssen wir umkehren.

An diesem äußersten Punkt wird eine Flagge abgeworfen. Schon vorher haben wir an allen bemerkenswerten Stellen Flaggen und Stäbe mit dem Hoheitszeichen abgeworfen, um das entdeckte Land als deutsches Hoheitsgebiet zu kennzeichnen.

Der Rückflug erfolgt parallel zum Hinflug im Abstand von 30 Kilometer. Die Landschaft saust in umgekehrter Reihenfolge unter uns weg. Einzelheiten der überflogenen Gebirge oder großen Gletscher werden mit genauer Zeitangabe sofort an das Schiff gefunkt, damit die Expeditionsleitung in jedem Augenblick weiß, wo sich das Flugzeug gerade befindet. Nach den Funksprüchen wird sogleich eine Kartenskizze gezeichnet; die ständige Funkverbindung ist aber auch aus Gründen der Sicherheit unbedingt notwendig. Im Fall einer Notlandung würde das zweite Flugzeug, das schon abflugklar auf dem Katapult steht, mit den gleichen Kursen und an Hand der vorläufigen Karte dem ersten nachfliegen, würde es auch finden und die geeigneten Schritte zur Rettung tun. Erfreulicherweise ist ein solcher Notfall dank der guten Organisation und der Tüchtigkeit der Flieger niemals eingetreten.

Die „Schwabenland“ fährt drei Wochen an der Eiskante entlang. In dieser Zeit werden sieben große Fernflüge und eine Reihe kürzerer Beobachtungsflüge durchgeführt und auf den Fernflügen mit Meßkameras 11600 photographische Aufnahmen hergestellt, die später eine genaue Landkarte des überflogenen Gebiets ergeben sollen. Während der Flüge geht die Arbeit auf dem Schiff weiter. Die Mechaniker überholen Maschinen und Katapult, die Wissenschaftler gehen ihren einzelnen Aufgaben nach. So überprüfen die beiden Meteorologen dauernd das Flugwetter, der Ozeanograph untersucht das Meerwasser, der Biologe die Tierwelt.

 

Er fischt mit Netzen bis 500 Meter Tiefe, schießt Seehunde oder fängt Vogel, unter anderem die komischen Pinguine. Die Geophysiker mißt die magnetische Ablenkung, der Geograph zeichnet vorläufige Karten und treibt Eisstudien. Unser Schiff ist ja mit den modernsten Forschungsmitteln ausgerüstet. So hat zum Beispiel der Biologe zahlreiche Aquarien, um Fische und Krebse monatelang lebend zu erhalten und ihr Leben und Treiben genau zu studieren. Besonders wichtig ist das sogenannte Walkrebschen, weil es die Hauptnahrung der Walfische bildet. Die Krebschen kommen zu Milliarden im Südlichen Eismeer vor, das Wasser erscheint durch sie oft ganz rot. Da ein ausgewachsener Blauwal etwa so viel wiegt wie fünfundzwanzig Elefanten, läßt sich ermessen, wieviel tausend solcher 5 Zentimeter langen Walkrebschen in einem gefüllten Walfischmagen stecken müssen. Die Walfische sind für die Fettversorgung unseres Volkes von größter Bedeutung.

Ein Wunderwerk sind unsere Radiosonden. Das sind 2 Meter große Luftballone, die als Gondel einen winzigen Radiosender tragen, bis in die höchsten Luftschichten aufsteigen (bis 28,5 Kilometer hoch) und dabei laufend Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit selbsttätig senden.

So legen wir also täglich mehrmals wissenschaftliche Schnitte vom Meeresboden bis hoch in die Stratosphäre hinein und untersuchen einfach alles, was wir auf dem Südpolkontinent oder in dessen Nähe mit unseren feinen Meßinstrumenten fassen können.

Das von uns entdeckte Land, das fast so groß ist wie Deutschland vor dem Krieg,

wird später nach unserem Expeditionsschiff Neu-Schwabenland genannt..

Auch die Gebirge und die höchsten Berge erhalten Namen. Und wir kehren mit reicher wissenschaftlicher Beute heim und sind stolz darauf, als deutsche Forscher in dem noch immer unbekanntesten Gebiet der Erde mit Erfolg gearbeitet und dem Deutschen Reich einen Stützpunkt für den so wichtigen Walfang geschafften zu haben. Die Rückreise erfolgt über Kapstadt in Südafrika, quer über den Südatlantik nach der Hafenstadt Pernambuco in Brasilien, über die Inseln Fernande Noranha und die Kanaren nach Hamburg.

Quelle: „Das neue Universum“ 63. Band von 1942 - Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart

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Berg Kailash  auch Weltenberg genannt - Himalaya